Lisa Oed zweifache deutsche Meisterin

Europameisterin trotz Sturz nicht zu schlagen

Mit zwei Gold- und zwei Silbermedaillen erreichte der SSC Hanau-Rodenbach bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm als stärkster hessischer Verein eine ausgezeichnete Bilanz. Herausragend in den Reihen der Läuferhochburg war einmal mehr Europameisterin Lisa Oed, die sich im 2000-Meter-Hindernislauf selbst von einem Sturz nicht stoppen ließ. Gold Nummer zwei holte sie dann tags darauf trotz eines lädierten Knies im 3000-Meter-Lauf gegen die favorisierte DLV-Jahresschnellste Miriam Dattke (Regensburg).

Der Start über 3000 Meter war bis zum Ende des Warmlaufens ungewiss. Erst bei den abschließenden Steigerungsläufen signalisierte Lisa Oed: „Ich will starten, das Knie ist belastbar.“ Am Abend zuvor hatte sie zwar den Hinderniswettbewerb in 6:47,53 Minuten überlegen vor Lisa Vogelgesang (Hildesheim/ 6:55,14 Minuten) und Johanna Flacke (6:57,16 Minuten) gewonnen, war dabei jedoch nach 900 Metern an einem Hindernisbalken hängen geblieben und direkt auf das linke Knie gestürzt. „Ich war zwar sofort wieder auf den Beinen, dachte aber einige Meter, dass ich nicht mehr weiterlaufen könnte, denn es hat schon sehr weh getan“, so Oed. Doch so eindrucksvoll,wie sie sich auf dem Weg zum Sieg durchkämpfte, gestaltete sie dann auch ihren zweiten Wettkampfeinsatz. „Auf die Zähne beißen und durch“, lautete die Devise der 18-jährigen Allrounderin, die auf der 3000-Meter-Distanz kurz nach der Streckenhälfte die Führung übernahm und 530 Meter vor dem Ziel den Endspurt einleitete.

Doch die mit der Jahresbestzeit von 9:23,33 Minuten favorisierte Miriam Dattke zeigte sich taktisch bestens eingestellt, konterte sofort und hatte eingangs der Schlussrunde drei, vier Meter Vorsprung herausgelaufen. Die waren allerdings nicht ausreichend, um Lisa Oed abzuschütteln. „Ich habe mich festgebissen und auf der Zielgeraden dann nochmal alles gegeben, obwohl ich komplett in der Übersäuerung stand“, erklärte Lisa Oed. Perfekt machte sie den Sieg mit beeindruckenden 68 Sekunden für die Schlussrunde erst auf den letzten 15 Metern, als sie in 9:50,63 Minuten vor Dattke (9:50,90 Minuten) und 15 weiteren Konkurrentinnen ins Ziel spurtete. Damit stockte die SSC-Athletin als erfolgreichste deutsche Jugendläuferin 2017 direkt vor ihrem Studienaufenthalt in den USA ihr diesjähriges Titelkonto weiter auf: Zwei EM-Goldmedaillen und vier deutsche Meisterschaften lautet nun die Bilanz.

Hild und Abele mit Überraschungssilber

Im Vorjahr hatte Julius Hild als U18-Meister überrascht, heuer glückte ihm als jüngerer Jahrgang in der U20 ein taktisch versierter Husarenstreich. Keine Frage, Julius Hild hatte aus einigen zu forsch angegangenen Saisonrennen gelernt und vor dem Start klar gemacht: „Ich bleibe im Windschatten und beobachte die Konkurrenz.“ So begann er exakt nach „Fahrplan“ vom letzten Platz des 2000-Meter-Hinderniswettbewerbs zur Streckenhälfte (3:02 Minuten) seine Aufholjagd, die ihm angesichts der Meldezeit von 6:12 Minuten kaum jemand zugetraut hätte. Bereits 700 Meter vor dem Ziel lag er in der Verfolgung des favorisierten Niklas Buchholz (TSV Hemhofen) auf Rang zwei, den er bis ins Ziel nicht mehr abgab. Dort feierte der Rodenbacher ausgiebig Silber und die neue persönliche Bestzeit von 5:56,46 Minuten hinter Buchholz (5:53,41 Minuten) und vor Nick Jäger (TSV Penzberg/5:57,28 Minuten). „Es war genau richtig, die ersten zwei Runden locker zu bleiben“, freute sich Hild, der 2017 vier deutsche Vizemeisterschaften im Crosslauf, Berglauf, 10000-Meter-Lauf und nun im Hindernislauf erreichte.

Sein Vereinskamerad Marius Abele übertraf im 3000-Meter-Lauf der U18 die Erwartungen deutlich. Gegen den Jugend-WM-Starter Elias Schreml (Dortmund) und den Jahresschnellsten Clemens Erdmann (Bielefeld/7:38,71 Minuten) übernahm er sofort die Initiative und war dann in der Endphase als einziger Athlet in der Lage den Vorstoß Schremls zu parieren. Auch wenn es nach einer 62-Sekunden-Schlussrunde nicht ganz reichte, zeigte Abele in 8:45,88 Minuten hinter Schreml (8:44,81 Minuten) sein bestes Saisonrennen. Bundestrainer Pierre Ayadi stellte die Aufnahme in den C-Kader in Aussicht: „Das war ein starkes Rennen, und die Unterdistanzleistungen stimmen“, so Ayadi in Ulm. Rang sieben ging dank eines sehenswerten Spurts an Sasha Müller. Als Zweiter des Jahrgangs 2001 lief er 9:02,92 Minuten und bestätigte mit dem Urkundenrang seine Aufwärtstendenz.