Lisa Oed im U20-WM-Finale

Als eine von drei Europäerinnen im Hindernislauf gegen die Besten der Welt
Mit einer überzeugenden Leistung und der neuen Saisonbestzeit von 10:07,79 Minuten hat Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) das Finale des 3000-Meter-Hindernislaufs bei der U20-Weltmeisterschaft erreicht. Nun steht die 19-jährige Studentin heute Abend um 19.45 Uhr im Endlauf der 15 besten Nachwuchsathletinnen der Welt. Dass dabei die Karten für die letztjährige Jugend-Europameisterin neu gemischt werden könnten, stimmt angesichts der afrikanischen Übermacht nur ansatzweise.
Denn während die bereits international in der Frauenklasse erfolgreichen Nachwuchs-Stars aus Afrika mit der U20-Weltrekordhalterin Celliphine Chepteek Chespol (Kenia/8:58,78 Minuten) an der Spitze den Dienstag-Vorlauf allenfalls als flotteres Trainingsläufchen absolvierten, rannten sich im Kampf um die Qualifikationszeit für das Finale fast alle anderen der 40 gemeldeten Teilnehmerinnen die Lunge aus dem Leib. Selbst Lisa Oed, äußerlich gefasst wirkend und mit Zwischenzeiten von 3:21 Minuten (1000 Meter) und 6:45 Minuten (2000 Meter) taktisch ausgesprochen versiert aufgestellt, bekannte nach ihrem Einsatz: „Ich habe zwar immer die Zeit kontrolliert, bin aber voll gelaufen!“
Mit den dabei erzielten 10:07,79 Minuten reihte sie sich auf Rang zehn ein, fünf Sekunden hinter der auf Rang acht notierten Japanerin Nishiyama (10:02,89 Minuten), acht Sekunden hinter der Australierin McAvoy (9:59,67 Minuten), die direkt vor der 2016er-Bronzemedaillengewinnerin Belachew (Äthiopien/9:59,95 Minuten) als Sechste notiert ist. Die Bestzeit der Äthiopierin liegt jedoch bei 9:37 Minuten, und entsprechend locker kam sie ins Ziel. Hingegen benötigte McAvoy mehrere Minuten, um wieder auf die Beine zu kommen. Da auch die Türkin Derya Kunur bei ihrem neuen nationalen Jugendrekord von 10:05,60 Minuten als schnellste Europäerin vor Lisa Oed alles aus sich herausholte, hofft die SSC-Athletin nun auf Vorteile in der Regeneration. „Drei Tage sind eine lange Zeit, so dass eigentlich alle gut erholt sein müssten. Aber vielleicht kann ich zum Schluss doch noch ein paar Reserven mehr frei machen, denn ich wusste in meinem Vorlauf bereits 200 Meter vor dem Ziel, dass meine Zeit reichen würde und musste nicht ganz bis zum Umfallen kämpfen“, erklärte Oed am Mittwoch gegenüber dem Hanauer.
Andererseits sitzen ihr hochkarätige Konkurrentinnen wie die frühere deutsche Meisterin Lisa Vogelgesang (Hildesheim/10:08,17 Minuten), die 9:52-Läuferin Kristlin Gear (USA/10:09,08 Minuten) oder die Kanadierin Fetherstonhaugh (10:09,60 Minuten) im Nacken, die ebenfalls Steigerungspotenzial vermuten lassen, wenn es um die Top-Ten-Platzierungen geht. Und das wäre wohl auch für Lisa Oed das Sahnehäubchen auf dem WM-Endlauf, der für sie jetzt schon „richtig cool“ ist. „Ich freue mich riesig aufs Finale. Hier mit der U20-Weltrekordlerin zu laufen, mit Athletinnen, die schon bei den Frauen in der Diamond League gestartet sind, vor dem Start im Call Room zu sitzen – das ist einfach toll! Ich werde nochmal mein Bestes geben und das Rennen genießen!“