Lisa Oed die Nummer acht der Welt

SSC-Läuferin begeistert im 3000-Meter-Hindernislauf

Lisa Oed hat bei den Jugend-Weltmeisterschaften in Tampere/ Finnland eine begeisternde Vorstellung geboten. Die 19-jährige Europameisterin von 2017 setzte mit der neuen persönlichen Bestzeit von 9:57,45 Minuten ihre Erfolgsserie auf internationaler Ebene fort und belegte unter 40 Teilnehmerinnen den achten Platz hinter sechs afrikanischen Läuferinnen und einer US-Amerikanerin. Gratulationen für die Glanzleistung konnte sie mit Heimtrainer Sascha Arndt von mehreren Bundestrainern entgegennehmen, für die der Lauf-Coach des Deutschen Leichtathletik-Verbandes Georg Schmidt attestierte: „Ihr seid in eurem Weg und eurer Vorbereitung gestärkt worden und habt zum Saisonhöhepunkt die beste Leistung gebracht. Ich finde das super, sowohl der DLV als auch der Hessische Verband sind hochzufrieden!“

Davor lagen nicht nur ein konsequent auf die Weltmeisterschaft ausgerichteter Saisonaufbau mit zwei deutschen Titeln im Crosslauf und Bahnlauf, sondern am Austragungsort in Tampere zwei Mal 3000 Meter mit jeweils 28 Hindernissen und sieben Wassergräben. Bereits im Vorlauf zeigte Lisa Oed mit ihrer Saisonbestleistung von 10:07,79 Minuten als Zehnte der Qualifikation, dass sie fit für den drei Tage später stattfindenden Endlauf ist.

Wenngleich ein Wolkenbruch das Finale einige Minuten verschob und die regennasse Bahn gänzlich andere Bedingungen bot als die sommerliche Hitze Italiens vor Jahresfrist beim Gewinn des EM-Titels, behielt Lisa Oed die Ruhe. „Mir war das Wetter egal. Klar, ich war sehr aufgeregt, aber ich wollte an meine Leistungsgrenze gehen und im Ziel sagen können `mehr ging nicht`!“

Dieses Vorhaben setzte die Medizin-Studentin taktisch klug um, hielt sich gemeinsam mit der zweiten deutschen Läuferin Lisa Vogelgesang (Eintracht Hildesheim/Vorlauf 10:08 Minuten) zum Auftaktkilometer in 3:19 Minuten am Ende des 15-köpfigen Finalfeldes auf. Als dann die afrikanische Weltrekordhalterin Chespol durchstartete und das bis dato kompakte Feld auseinanderriss, zeigte sich Lisa Oed unbeeindruckt. „Ich habe mich komplett auf mein Gefühl verlassen und bin mein Tempo weitergelaufen, so dass ich für die Endphase noch genug Kraft hatte“, so Oed, die damit nicht nur auf der sicheren Seite war, sondern auf dem Schlusskilometer ihren persönlichen Turbo zünden konnte. Sieben Konkurrentinnen holte sie mit läuferischer Klasse und „richtig guter Technik“ (Oed) innerhalb von zwei Stadionrunden ein und zog dann auch die letzten 400 Meter voll durch. „Die sechstplatzierte Äthiopierin hatte da schon 100 Meter Vorsprung, aber ich habe davon noch 60 Meter gut gemacht – ich habe gekämpft bis zum Umfallen, aber es lief einfach klasse, auch wenn mich die Amerikanerin auf der Zielgeraden knapp überholt hat.“

Den Verlust des siebten Platzes konnte sie verschmerzen, denn Rang acht mit 9:57,45 Minuten ergab in der Gesamtbilanz eine beeindruckende Aufstellung: Deutsche und europäische U20-Jahresbestzeit, zweitschnellste Nicht-Afrikanerin, bestes deutsches Mittel- und Langstrecken-Ergebnis der WM, Rang zwei der ewigen deutschen Jugendbestenliste und der hessischen Frauenbestenliste hinter Gesa Krause, Rang elf der ewigen deutschen Frauenbestenliste, deutsche U23-Jahresbestzeit, 12,45 Sekunden über der Norm für die Leichtathletik-EM in Berlin.

Auch wenn der Saisonhöhepunkt damit `Geschichte` ist, legt Lisa Oed die Beine zunächst noch nicht hoch. Ende Juli stehen für die Topathletin des SSC Hanau-Rodenbach die deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock an. Dort ist sie zwar sowohl über 2000 Meter Hindernis als auch über 3000 Meter Titelverteidigerin, doch hat sie in der 3000-Meter-WM-Starterin Josina Papenfuß (LG Westerstede/9:18,39 Minuten) auf beiden Strecken eine hochkarätige Konkurrentin, zu der dann noch die Hindernis-WM-14. Lisa Vogelgesang (10:07,67 Minuten) hinzukommt. Spannung und europäisches Niveau ist also garantiert –  andererseits hat Lisa Oed das Saisonziel so gut erreicht, dass alles andere nur noch Zugabe sein kann. Anschließend geht es dann in eine zweiwöchige Laufpause und den dann anschließenden Formaufbau in Richtung der deutschen Berglaufmeisterschaften und der Berglauf-Weltmeisterschaften im September. Denn auch hier könnte Edelmetall winken, tritt Lisa Oed doch als amtierende U20-Europameisterin des Berglaufverbandes an.