Lisa Oed bietet Afrikanerinnen Paroli

Foto Quelle: Corsa in Montagna

19-jährige SSC-Athletin bei Berg-WM mit Silber

Leichtathletik. Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) hat bei den 34.WMRA-Weltmeisterschaften im Berglauf ihre erste WM-Medaille gewonnen. Die 19-jährige deutsche Jugend- und Frauenmeisterin war als zweitschnellste U20-Athletin hinter Titelverteidigerin Risper Chebet (Uganda) dabei mit großem Abstand schnellste europäische Läuferin. Für die anspruchsvollen 7,4 Kilometer im alpinen Hochland von Andorra benötigte sie trotz des bis zu 40 Prozent steilen Schlussanstiegs zum Ziel auf 2430 Meter Höhe lediglich 41:54 Minuten.

Gemeinsam mit der siegreichen Risper Chebet (41:19 Minuten) dominierte sie damit die weibliche Jugendkonkurrenz der 56 Teilnehmerinnen noch vor Betty Chebet (Uganda/43:07 Minuten) und der Italienerin Alessia Scaini (43:30 Minuten). Zu Rang acht betrug der Vorsprung von Lisa Oed bereits vier Minuten, zur nächstbesten Deutschen Franziska Schmieder (41.Platz/LG Brandenkopf) fast zwölf Minuten.
Mit der afrikanischen Favoritin mithalten konnte Lisa Oed, die 2017 und 2018 auch in der Stadion-Leichtathletik als Europameisterin und Achte der 3000-Meter-Hindernis-Weltmeisterschaften internationale Klasse bewiesen hatte, nicht zuletzt wegen ihrer exzellenten Kraftausdauerwerte. Neben wiederholten Berglauf-Trainingseinheiten in der direkten WM-Vorbereitung standen im Vorfeld auch Radfahrten und ein Triathloneinsatz auf dem Programm der vielseitigen Athletin, die sich den letzten Schliff dann in der Woche vor dem WM-Einsatz in der Höhenlage von Sankt Moritz/ Schweiz auf 1800 Metern über Normal Null geholt hatte.

„Ich habe mich dort schon nach wenigen Tagen wohl gefühlt und konnte den Trainingsplan sehr gut umsetzen“, so Oed, die im Abschlusstraining mit fünf Mal 1000 Metern in 3:22 Minuten und anschließenden vier Bergläufen im Steilstück schon annähernd mit ihrem gleichaltrigen Vereinskameraden Julius Hild mithalten konnte. Der DLV-U20-Vizemeister der männlichen Jugend war dann bei der WM auf dem gleichen Parcours im indirekten Vergleich mit 42:24 Minuten sogar 30 Sekunden langsamer als Lisa Oed, auf Rang 24 von 64 Teilnehmern aber immer noch bester Deutscher vor Robert Sussbauer (LC Mittenwald/43:27 Minuten) auf Rang 30.

Gemeinsam mit Benedikt Ertl (43:57/35. ) erfüllte sich Julius Hild die eigene Zielsetzung auf dem achten Platz der Nationalteamwertung. Den Vergleich mit seiner Trainingsgefährtin trug er mit Fassung, wenngleich ihm der Rückstand ein Rätsel blieb. „Ich war gleich zu Beginn und auf den Flachstücken nach den dort ermittelten Zwischenzeiten schneller. Aber anscheinend hat mir Lisa am Berg ganz deutlich Zeit abgenommen.“

Keine Frage, dass Lisa Oed damit die Sonderrolle im Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes einnehmen konnte und Perspektiven für die Zukunft des internationalen DLV-Berglaufs ermöglicht. Doch so weit will die Medizin-Studentin nicht gehen. „Eine Einladung zum Weltcuprennen in Slowenien habe ich jetzt erst einmal ausgeschlagen, denn im Vordergrund steht nun die Vorbereitung auf die Crosslauf-Europameisterschaft Anfang Dezember“, erklärte Lisa Oed.

Und auch in der Saison 2019 scheint es mehrere Möglichkeiten zu Starts im Nationaltrikot zu geben, zählt Lisa Oed doch gleichermaßen zum U23-Hinderniskader des DLV wie auch zum Berglaufkader und hätte damit bei entsprechender Leistungsstärke im Juli nächsten Jahres die Wahl zwischen der U23-EM in Schweden und der Frauen-Berglauf-EM in Zermatt.