Solomon Merne Eshete läuft in Frankfurt um Hessentitel und mehr

Leichtathletik. Wenn am Sonntag um 10.00 Uhr vor der Friedrich-Ebert-Anlage am Messeturm der Mainova Frankfurt Marathon gestartet wird, ist neben afrikanischen Weltklasse-Athleten, dem deutschen Rekordhalter Arne Gabius (Bottwartal/2:08:33 Stunden) und Vorjahresmeisterin Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt/2:29:29 Stunden) auch der zweifache Hessenmeister Solomon Merne Eshete (SSC Hanau-Rodenbach) mit dabei.
Der gebürtige Äthiopier, vor einigen Jahren als Verfolgter des äthiopischen Regimes aus seiner Heimat geflohen, stellt sich zum dritten Mal der Herausforderung des Marathons. Sein Debüt gab er 2016 in München, wo er mit 2:28:52 Stunden auf Anhieb Dritter wurde. Einem „Fehlversuch“ in Mainz mit vorzeitigem Ausstieg 2017 folgt nun ein weiterer Anlauf, der in der Bankenmetropole doppelten Erfolg bringen soll. Denn Solomon Merne Eshete läuft nach seinen diesjährigen Meisterschaftssiegen im Crosslauf und 10000-Meter-Bahnlauf nicht nur um den Marathontitel des Hessischen Leichtathletik-Verbandes, sondern auch für sein Bleiberecht in Deutschland. Das steht für den 34-jährigen Familienvater noch aus, und so erhofft er sich neben seiner erfolgten Eingliederung in die deutsche Gesellschaft über Arbeitsmaßnahmen und die Integration im Sportverein SSC Hanau-Rodenbach nun weitere Reputation durch hochkarätige sportliche Leistungen.
„Marathon ist immer schwierig. Ich muss noch sehen, wie schnell ich loslaufe“, nannte der Sieger des Hanauer Stadtlaufs und Hugo-Wenninger-Laufs im Abschlusstraining in Hanau den Knackpunkt der klassischen Distanz. Die Weltspitze wird mit Kilometerzeiten deutlich unter 3:00 Minuten lospreschen, dahinter sortieren sich die Läufer mit Zielzeiten um 2:10 Stunden (Gabius) und 2:15 Stunden ein. „Vielleicht starte ich mit der dritten Gruppe in Richtung 2:15 Stunden“, so Eshete, der allerdings aufgrund seiner Belastung als junger Familienvater und durch Arbeitseinsätze bereits mit einer Endzeit von weniger als 2:20 Stunden hochzufrieden wäre. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten der Witterung, die nach monatelangem „Traumwetter“ nun die üblichen herbstlichen Überraschungen bereit halten könnte. Auch wenn Konkurrenz durch das hessische Teilnehmerfeld auf den ersten Blick nicht in Sicht ist, steht der Sieg in der Landeswertung längst nicht fest. „Wer zu schnell losläuft, bezahlt das hohe Anfangstempo auf der zweiten Streckenhälfte doppelt und dreifach“, weiß SSC-Trainer Sascha Arndt, der Eshete zu moderatem und gleichmäßigem Tempo „am besten mit der schnellsten Frau im Elitefeld“ rät und von einer „realitischen 2:25er-Zeit“ ausgeht.
Eine gute Renneinteilung wird auch für die weiteren Meisterschaftsteilnehmer entscheidend sein. Der zuletzt über zehn Kilometer deutlich verbesserte Okubazgiher Teferi Abai stellt gemeinsam mit Sebastian Kraft und den M50/55-Senioren Frank Reifenberger, Frank Seidel und Peter Jamin eine aussichtsreiche Männermannschaft.
Nicht im Meisterschaftswettbewerb und dennoch auf Rekordjagd geht Kerstin Bertsch. Die dreifache Mutter jagt mit dem Doppel-Babyjogger die „Weltrekordmarke“ des Guiness-Buch und strebt eine Zeit von weniger als 3:20 Stunden an.
Im 4,2-Kilometer-Mini-Marathon um 10.55 Uhr gab es in den zurückliegenden Jahren durch Marius Abele und Sasha Müller sowie Lisa Oed gleich mehrfach Sieger aus den Reihen des SSC Hanau-Rodenbach, und auch heuer stehen mit den deutschen U18-Mannschaftsmeistern Max Grabosch und Sasha Müller zwei Hanauer Nachwuchstalente ganz oben auf der Favoritenliste. Die Chance auf vordere Ränge in ihren Klassen besitzen unter anderem Annalena Hamburger (SSC), Joakim Endlich (SSC/M09) und Tristan Kaufhold (SSC/M13).